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Jetzt mitmachen: Alte Birnenbäume melden und damit seltene Sorten im Landkreis Schweinfurt erhalten

Ziel der Aktion: Obstvielfalt in der Region fördern – Teilnahme online möglich über die Website des Landratsamts

Landkreis Schweinfurt. Ungewöhnlich viele alte Birnenbäume prägen unsere Landschaft, besonders im Landkreis Schweinfurt. Die meisten historischen Birnbäume bergen eine genetische Vielfalt, die für die Züchtung in Zukunft wichtig sein kann. Der Landkreis Schweinfurt startet daher eine Aktion und ruft Bürgerinnen und Bürger auf, große alte Birnbäume zu melden. Brigitte Goss, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Schweinfurt erklärt, warum Birnenbäume so besonders sind. 

Was macht Birnenbäume so besonders?

Birnenbäume können weit über 200 Jahre alt werden. Sie erreichen ein wesentlich höheres Lebensalter als Apfelbäume mit bis zu 120 Jahren oder Kirschbäume mit höchstens 100 Jahren. 

Die alten Birnenbäume tragen somit ein sehr altes Genpotential, das an das regionale Klima besonders gut angepasst ist. 

Die robusten Birnensorten wachsen beispielsweise auf steinigen Weiden und Lesesteinhaufen. Die alten Birnen sind nicht nur als Lebensraum und Nahrung für Wildtiere von Bedeutung, sondern halten instabiles Gelände mit ihren Wurzeln fest. Das starke Wurzelwerk zeigt auch Vorteile an trockenen Standorten. Offensichtlich wurde dies im Jahr 2018, während extremer Trockenheit das Laub der Feldgehölze vertrocknete, aber die alten Birnen ihr sattes grünes Laub behielten. 

Interessant sind auch die Unterlagen bzw. Wurzeln der Bäume, auf denen Sorten „gepfropft“ wurden. In den Jahrzehnten nach 1950 wurde hauptsächlich eine Unterlage, die ´Kirchensaller Mostbirne´, verwendet. Diese Unterlage gilt als hochgradig anfällig für die Krankheit Birnenverfall, die zum Absterben der Birnen in weiten Teilen des Landes führt. Die noch unbekannten Unterlagen der alten Birnbäume haben deshalb das Potenzial für die Zukunft robuste und gesunde Unterlagen zu liefern – und genau hier setzt die Aktion des Landkreises an. Es geht darum, einen wichtigen Beitrag zum Sortenerhalt zu leisten. 

Möglich wird dies erst durch die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger: „Ihre Teilnahme trägt dazu bei, alte Sorten zu erhalten und die lokale Obstvielfalt zu fördern. Wir suchen veredelte Bäume und alte Sämlinge. Die Birnbäume sollten älter als 80 Jahre sein. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung. Vielen Dank fürs Mitmachen“, sagt Brigitte Goss. 

So können Sie uns alte Birnenbäume melden 

Bürgerinnen und Bürger können über folgende Seite mit wenigen Klicks Birnenbaum melden: https://www.landkreis-schweinfurt.de/birnbaumsuche

Kreisfachberaterin Brigitte Goss ist natürlich auch direkt zu erreichen, telefonisch unter 09721 55 -531 oder per E-Mail an: gartenkultur@lrasw.de 

Weiterführende Informationen 

Birnen in der Saftherstellung 

Bisher ist die Nutzung von Birnen als Tafel- oder Brennobst üblich. Die Nutzung der Birnen zur Saftherstellung ist eher selten. Birnen mit Wildcharakter und Mostbirnen sind eine willkommene Alternative zu den Mostapfelsorten und wesentlich anspruchsloser als Edelbirnen. 

Die alten Mostbirnbäume werden in der Regel kaum beachtet, weil sie meist nur kleine Früchte mit wenig Aroma entwickeln, die sich nicht zum Frischverzehr eignen. Doch ihr Potential wird unterschätzt. Erst bei der Verarbeitung, deren Kenntnisse fast verloren gegangen sind, zeigt sich ihr wahres Aroma. 

Im Alpenraum gibt es noch Orte, in denen aus den „Geröllbirnen“ Birnenmehl oder Birnenzucker gewonnen wird. In einem Verwertungsprozess des Einmaischens werden Pektine, Fruchtsäuren und Gerbstoffe der holzigen Birnen umgewandelt. Das harte Fruchtfleisch wird dadurch zwar braun, aber auch weich und süß. Diese Eigenschaft ist für Safthersteller interessant, die Alternativen zur Apfelsaftgewinnung suchen.