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Unternehmensnachfolgetag in Schweinfurt

Generationenwechsel im Mittelstand

Die Unternehmensnachfolge gehört zu den größten Herausforderungen im Mittelstand. Demographischer Wandel und Alterung der Unternehmerschaft einerseits, ein abnehmendes Gründungsinteresse andererseits führen dazu, dass immer weniger Betriebsübergeber in der Lage sind, adäquate Nachfolger zu finden. Grund genug für die IHK Würzburg-Schweinfurt sowie Stadt und Landkreis Schweinfurt zu einer Unternehmensnachfolgetagung in das Konferenzzentrum Maininsel zu laden.

Risiko für den Standort Schweinfurt

Nach Eröffnung der Tagung durch den stellvertretenden Landrat Peter Seifert im Namen der Mitorganisatoren Stadt und Landkreis Schweinfurt machte Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung, in seinem Impulsreferat „Unternehmensnachfolge in Mainfranken – Aktualität und Ausblick“ den rund 70 Gästen deutlich, wie groß die Herausforderungen für die Region in Sachen Unternehmensnachfolge sind. „Wir sehen im Landkreis Schweinfurt sowie in der Stadt in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Rückgang beim Gründungswachstum, in der Stadt zuletzt sogar eine Schrumpfung des Gewerbebestandes. Auf der anderen Seite zeigen unsere Daten, dass in den kommenden Jahren ein massiver altersbedingter Schwund an Unternehmen einsetzen wird.“ Für den Landkreis Schweinfurt gehe eine IHK-Analyse von einem Rückgang potentieller Unternehmer um 9 %, für die Stadt Schweinfurt von immerhin 7 % aus. Dies führe laut Dr. Genders letztlich dazu, dass die erfolgreiche mittelständische Struktur in Gefahr gerate.

Frühzeitig planen und offen kommunizieren

Wie die Unternehmensnachfolge richtig angegangen wird, dass erklärte anschließend Rüdiger Pickel, Steuerberater und Partner bei Pickel & Partner Wirtschaftsprüfer ♦ Steuerberater ♦ Rechtsanwälte, in seinem Vortrag „Unternehmensnachfolge frühzeitig planen und optimal steuerlich gestalten“. Nebst einen Parcourritt durch rechtliche und steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, die stets auf den individuellen Übergabefall anzupassen seien, betonte er insbesondere zwei wesentliche Aspekte: „Gehen Sie die Betriebsübergabe frühzeitig an und kommunizieren sie offen und objektiv.“ Gerade bei familieninternen Nachfolgelösungen komme es darauf an, von Beginn an ehrlich in die Prozesse einzusteigen und das Loslassen zu lernen. Nur so könne man die frischen Ideen der Jungen mit dem Wissen der Erfahrenen erfolgreich zum Wohle des Unternehmens nutzen.

Nachfolge erfolgreich meistern

Im Anschluss an die Impulsvorträge diskutierten Dr. Lilian Graser, CLG Chemisches Labor Dr. Graser, Schonungen,  Berthold Stahl, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, Caroline Trips, Geschäftsführerin Trips GmbH, Grafenrheinfeld, und IHK-Vizepräsidentin, sowie Kai Vedder, Translog Transport + Logistik GmbH, Schweinfurt, über die Herausforderungen rund um eine Betriebsübergabe. Neben der generellen Bedeutung erfolgreicher Nachfolgelösungen waren sich die Diskutanten unter Moderation von Frank Müller, BR, dahingehend einig, dass bei den häufigen Fällen einer familieninterner Nachfolgelösungen Druck auf die nachfolgende Generation stets der falsche Ansatz sei. Vedder betonte, dass es ein guter Schritt sei, den Nachwuchs frühzeitig in den Betrieb reinschnuppern zu lassen, um zu erkennen, ob der Beruf des Unternehmers überhaupt der richtige Lebensweg sei. Dr. Graser, bestätigte dies, betonte hierbei insbesondere die notwendige Ehrlichkeit in der Kommunikation, zu der auch eine gesunde Diskussionskultur gehöre. IHK-Vizepräsidentin Trips, die aufgrund eines Schicksalsschlags quasi über Nacht gemeinsam mit ihrem Bruder zur Unternehmerin wurde, appellierte darüber hinaus an alle Unternehmer, sich stets auf das Unerwartbare vorzubereiten. „Es ist die Pflicht eines jeden Unternehmers, alle Eventualitäten mit Blick auf eine Risikovorsorge zu regeln, um auf eine plötzliche Nachfolgesituation aufgrund von Krankheit oder Tod vorbereitet zu sein.“ Sie verwies auf einen Notfallkoffer, wie die IHK ihn beispielsweise ebenso wie Steuerberater anbiete.