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In dem vor etwa zwei Jahrzehnten künstlich errichteten Nest im Naturschutzgebiet Wipfelder Mainauen hat es sich eine fünfköpfige Storchenfamilie gemütlich gemacht. (Weitere Fotos siehe unten)

Storchen-Nachwuchs im Landkreis Schweinfurt

Um Informationen für Forschung und Naturschutz zu erhalten, wurden die Storchen-Drillinge in Wipfeld beringt

Landkreis Schweinfurt. Engagierte Vogelschützer und die Untere Naturschutzbehörde (UNB) am Landratsamt Schweinfurt haben derzeit Grund zur Freude. Der Landkreis Schweinfurt erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei den Weißstörchen. Gleich mehrere Storchenpaare verbringen derzeit den Sommer im Landkreis. Eines davon genießt die Aussicht über die Wipfelder Mainauen. In dem vor etwa zwei Jahrzehnten künstlich errichteten Nest im dortigen Naturschutzgebiet hat es sich eine gleich fünfköpfige Storchenfamilie gemütlich gemacht: Ein Storchenpaar mit seinen Drillingen.

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Erst in den vergangenen drei Jahren wurde das künstliche Nest angenommen. „Die Zeit davor hatte sich kein Storchenpaar dazu bewegen lassen, dieses Nest zu nutzen“, weiß Jonas Benner von der UNB. Erst 2018 startete das erste Storchenpaar dort einen Brutversuch, der jedoch erfolglos endete. Im letzten Jahr schließlich gelang es dem ursprünglich aus Mittelfranken stammenden Storchenpaar die ersten zwei Jungtiere erfolgreich aufzuziehen und somit seit langer Zeit wieder das erste brütende Storchenpaar im Landkreis Schweinfurt zu sein.

Selbes Männchen, selbe Stelle, anderes Weibchen
Das Männchen kehrte auch heuer zurück, allerdings mit einem neuen Weibchen an seiner Seite. Die Drillinge machen das Storchenfamilienleben nun komplett. Wer mit wem und woher – das können die Experten anhand der Vogelringe am Bein der Störche beobachten und erhalten so wichtige Informationen für Forschung und Naturschutz. Normalerweise treffen sich die gleichen adulten Tiere im Frühjahr bei ihrem letztjährigen Nest wieder. Dass dieses Jahr in Wipfeld nur das Männchen zurückkam, kann verschiedene Gründe haben. „Beispielweise kann das Weibchen auf dem langen und sehr anstrengenden Vogelzug in den Süden ums Leben gekommen sein. Eine weitere Möglichkeit könnte auch sein, dass das Storchenmännchen es dieses Jahr besonders eilig hatte und sich die vorjährige Gattin verspätet hat und er daher eine neue Partnerin umworben hat“, erklärt Benner.

Um auch über den Storchennachwuchs weiter im Bilde zu bleiben, wurden die Wipfelder Drillinge unter Aufsicht der UNB nun vor Kurzem beringt. Das Wissen, welches die Experten dadurch ansammeln, kommt letztlich auch den Störchen zu Gute. Denn so können die UNB und deren Mithelfer mögliche Gefahren ausmachen und entsprechende Schutzmaßnahmen für die Störche ergreifen.

„So eine Beringung ist definitiv auch für uns ein besonderes Ereignis, das wir aber natürlich zum Wohle der Tiere so kurz und unaufgeregt wie möglich über die Bühne bringen“, sagt Jonas Benner von der UNB, der die Aktion vor Ort mitbetreut und –verantwortet hatte. Um überhaupt sicher in die Nähe der Jungtiere in luftiger Höhe zu gelangen, war ein Hubsteiger notwendig, den die ÜZ Mainfranken dankenswerterwiese zur Verfügung gestellt hatte.

Eine Beringung der Jungstörche ist nur möglich, wenn sie noch keine Flugübungen machen. Weißstörche werden in der Regel im Alter von etwa sechs Wochen beringt, da sich die Nestlinge in diesem Alter bei der Annäherung des Beringers auf den Nestboden drücken. Die drei Jungtiere in Wipfeld hielten sich perfekt an diese Erfahrungen.

Auch die Elterntiere beobachteten die Dank des erfahrenen Beringers nur zehnminütig andauernde Aktion argwöhnisch in ausreichender Distanz. Sobald sich Mensch und Hubsteiger entfernt hatten, nahmen die Elterntiere umgehend das Nest und ihre Jungtiere in Augenschein und konnten zufrieden feststellen, dass noch alles in Ordnung war.

Eine erfreuliche Nachricht erreichte die UNB auch aus dem Kloster in Heidenfeld. Dort hat dieses Jahr ein weiteres Storchenpaar mindestens ein Jungtier ausgebrütet. Engagierte Vogelschützer konnten dieses Frühjahr sogar beobachten, dass die zwei Nestplätze im Landkreis gar nicht mehr ausreichten, da drei Storchenpaare sich um die zwei Nester stritten. Ein leicht zu lösendes Problem, welches die UNB gerne dieses Jahr noch angehen wird.

„Diese stetige und positive Entwicklung der Weißstorchbrutpaare in den letzten Jahren im Landkreis Schweinfurt ist ermutigend und eine gegenläufige Tendenz, der sonst stark rückläufigen gefährdeten Arten und ein Lichtblick im Naturschutz“, resümiert Jonas Benner. Er ist guter Dinge was den Storchennachwuchs anbelangt. Die diesjährige Witterung begünstige die Weißstorchenjungtieraufzucht. „Wir hoffen, dass alle Jungtiere zusammen mit ihren Eltern im Spätsommer den langen Flug in den Süden antreten können und nächstes Jahr hoffentlich wieder den Landkreis besuchen.“