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Kreistag gedenkt der Opfer von Halle

Landrat: "Unsere Demokratie ist wehrhaft. Und sie muss sich wehren."

Landkreis Schweinfurt. Die Mitglieder des Kreistags des Landkreises Schweinfurt haben in ihrer Sitzung am 10. Oktober 2019 in einer Schweigeminute der Opfer von Halle an der Saale gedacht. Hier die Ansprache von Landrat Florian Töpper im Wortlaut:

"Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Kreistags,

mit Trauer und Entsetzen erfüllen uns die Nachrichten aus Halle an der Saale. Am gestrigen Tag hat dort ein schwer bewaffneter Mann versucht, die Tür der Synagoge im Paulusviertel nördlich der Innenstadt zu zerschießen und dann in das Gebäude einzudringen. Zudem platzierte er Sprengsätze vor der Tür.

In dem jüdischen Gotteshaus befanden sich zu diesem Zeitpunkt 80 Menschen, die den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, das Versöhnungsfest, feierten. Nachdem der Täter durch die Sicherheitsvorkehrungen daran gehindert wurde, in die Synagoge einzudringen, erschoss er wenige Meter vom Gotteshaus entfernt eine Frau und sodann in einem Dönerimbiss einen Mann.

Die Bundesanwaltschaft ordnet die Tat als rechtsextremistisch und antisemitisch motiviert ein. Sie spricht von einer staatsgefährdenden Tat.

Meine Damen und Herren,

der Staat, das sind wir alle. Egal ob Mann oder Frau, Jude, Christ, Muslim, Agnostiker, Atheist. Bürgerin mit Amt oder Mandat, Bürger ohne Amt und Mandat.

Im Jahr des 70. Bestehens unseres Grundgesetzes ist dieser Staat gefährdet, sind wir alle gefährdet durch Rechtsextremismus und Antisemitismus. Über 70 Jahre nach der Shoa, die jüdische Gemeinden auch in unserem Landkreis ausgelöscht hat, ist jüdisches Leben in Deutschland immer mehr Anfechtungen ausgesetzt.

Zu Betroffenheit und Gedenken muss sich der entschiedene Wille aller politischen Kräfte innerhalb des Verfassungsbogens gesellen, dieser Tendenz entschieden entgegenzutreten. Unsere Demokratie ist wehrhaft. Und sie muss sich wehren.

In diesen Stunden sind unsere Gedanken und Gebete bei denen, die ihre Angehörigen betrauern ebenso wie bei denen, die um ihre sichere Zukunft in unserem Land fürchten.

Ich danke Ihnen."